Wir brauchen alle immer mehr Speicherplatz. Ob USB-Stick, SD-Karte oder SSD – alle sind klein und praktisch. Beim Kauf entscheiden wir uns daher oft für hohe Kapazität, aber möglichst günstig.
Die Hersteller reagieren, indem sie die Produktionspreise senken und neuere Modelle herausbringen. Klingt erstmal gut, doch bei verlockend wirkenden Angeboten, die riesige Kapazitäten zu Spottpreisen versprechen, ist Vorsicht geboten.
Viele Nutzer merken erst viel zu spät, dass „nicht das drin ist, was draufsteht“. Im schlimmsten Fall sind wichtige Daten verloren. In letzter Zeit häufen sich bei uns leider solche Fälle.
In diesem Artikel zeigen wir wie diese Fälschungen funktionieren, woran man sie erkennt und worauf beim Kauf zu achten ist.
Wie funktionieren Fake-Speichermedien?
Gefälschte Datenträger sind keine „leeren Hüllen“ – sie funktionieren zunächst ganz normal. Der Trick liegt in der manipulierten Firmware:
Ein USB-Stick wird z. B. als 1 TB angezeigt, obwohl tatsächlich nur 32 GB physisch vorhanden sind. Das System glaubt die falsche Kapazität und erlaubt das Beschreiben.
Sobald die echte Kapazität überschritten wird, werden Daten überschrieben oder beschädigt – ohne Warnung!
Das bedeutet: Dateien scheinen gespeichert zu sein – sind aber in Wirklichkeit verloren.
Nicht selten fällt der Datenträger komplett aus.
Für die Datenrettung gibt es in solchen Fällen kaum Chancen. Denn was nicht gespeichert war, kann auch nicht gerettet werden.
Typische Warnzeichen für Fälschungen:
1. Unrealistisch günstiger Preis
Wenn ein 1 TB USB-Stick weniger kostet als eine Pizza, ist Vorsicht geboten. Speicher hat einen realen Marktpreis – extreme Schnäppchen sind meist Fake.
2. Unbekannte oder „komisch“ klingende Marken
Viele Fälschungen tragen Namen, die bekannten Marken ähneln, aber leicht verändert sind.
3. Sehr hohe Kapazitäten
Eine 4 TB SSD, ein 1 TB USB Stick – niemals aus unbekannten Quellen oder als No-name Marke kaufen. Diese Technik ist real noch sehr teuer.
4. Schlechte Verarbeitung
Wackelige USB-Stecker. Billiges Plastik. Unscharfer oder schief gedruckter Aufdruck. Auffällig wenig Speicherchips angelötet.
4. Falsche Kapazitätsanzeige
Der Datenträger zeigt mehr Speicher an, als tatsächlich nutzbar ist.
Worauf man beim Kauf achten sollte:
1. Datenträger nur bei vertrauenswürdigen Händlern kaufen
Große Händler oder bekannte Shops reduzieren das Risiko deutlich. Sind aber auch kein Garant.
2. No-name Marken meiden
Ein unbekannter Hersteller oder gar ein Werbegeschenk sollte vor allem bei hoher Kapazität kritisch bedacht werden.
3. Modelnummer auf der Herstellerseite überprüfen
Bietet der Hersteller tatsächlich solches Produkt an? Wie ist der Preis?
4. Bewertungen / Garantie überprüfen
Viele Beschwerden über Probleme sind ein klares Warnsignal. Ebenso wenn keine Garantie inbegriffen ist.
5. Misstrauen gegenüber extremen Angeboten
Ein gutes Bauchgefühl ist oft der beste Schutz. Qualität muss nicht immer teuer sein, doch Speichertechnik hat einen Marktwert. Angebote die deutlich unter diesem liegen sollte man kritisch überprüfen.
6. Verpackung prüfen
Originalprodukte haben: Seriennummern, Hologramme, saubere Verarbeitung. Verpackung sollte ungeöffnet und versiegelt sein.
7. Niemals aus zweiter Hand kaufen
Das Risiko einen Fake oder bereits sehr verbrauchten Datenträger zu erhalten ist bei Flash-Speichern sehr hoch.
Beispiele aus der Datenrettungspraxis
Allein in den letzten Wochen hatten wir mehrere Fake Speichermedien zur Analyse erhalten. Hier ein paar Beispiele:
- Ein USB-Stick 256 GB: Nachdem das Gehäuse geöffnet wurde, kam die Platine zum Vorschein. An ihr waren statt hochwertiger Speicherchips, lediglich eine 32 GB micro-Speicherkarte angelötet.
- Eine 4 TB SSD im hochwertigen Metallgehäuse, ein ausgefallener Produktname, sonst keine Seriennummer. Bei der SSD war die Firmware manipuliert worden, denn tatsächlich hatte die SSD nur 256 GB Speicher angelötet.
- Eine micro-SD eines der Marktführer, die täuschend echt aussah, die Kapazität stimmte auch. Erst nachdem wir die Schaltreise freigelegt haben, konnten wir erkennen, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelt. Der Hersteller verwendet in seinen Produkten anderen Pin-outs.
Gefälschte Datenträger sind kein seltenes Problem – sie sind ein Geschäftsmodell. Die Kombination aus niedrigen Preisen und hoher Nachfrage macht es Betrügern leicht. Vor allem jetzt, wo Speicher wieder teurer wird.
Die wichtigste Regel lautet:
Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch.
Ihre Daten sind wertvoll – riskieren Sie kein Datenverlust!
